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Effekt ist Glücksache
Autor: Andreas Niklas

Autor: Andreas Niklas

Meridianklopfmethoden sind nur ein kleiner Ausschnitt der angewandten Kinesiologie

„Ganz schön beklopft“, findet die Frankfurter Rundschau vom 27.11.06 die MET-Seminare, in denen jeder Laie für 299 Euro lernen kann, sich alle möglichen Ängste und Phobien mit den Fingerspitzen einfach wegzuklopfen. „Ganz schön beschränkt“ wäre die richtigere Einschätzung gewesen.

Unbestritten wirken die verschiedenen Meridian- Energie-Methoden (MET, EFT, Energetische Psychologie usw.). Die Meridiane sind Energieleitbahnen, die Körperkreisläufen oder Organen zugeordnet sind. Aus der chinesischen Medizin weiß man aber auch, dass man den Meridianen Gefühle zuordnen kann. Der Druck, das Halten oder Klopfen wirken über die unbewusste Ebene auf unsere Gefühle (vgl. hierzu Tab. 1). Wenn der Mensch seine Aufmerksamkeit auf ein z. B. angstbesetztes Thema richtet und die aufkommenden Gefühle bewusst empfindet, während er den zugeordneten Meridian beklopft, löst sich auf einer unterbewussten Ebene Stress, was den Körper des Menschen stärkt und entlastet. Was allerdings bei den Meridian-Energie-Methoden völlig untergeht, ist die eine, wesentliche Frage, ob ein bestimmtes Thema für einen bestimmten Menschen zu einer bestimmten Zeit überhaupt ansteht und ob vielleicht noch ein anderes Thema darunter liegt, was vorher angeschaut werden sollte, um eine dauerhafte Wirkung zu erzielen. Das Problem der Meridian- Energie-Methoden liegt darin, dass die Wahl des zu bearbeitenden Themas durch das bewusste Denken getroffen wird. Unterbewusste Aspekte werden nicht miteinbezogen. Jemand kann sich seiner Angst sehr bewusst sein, darunter kann aber ein Selbstwertthema liegen, das die Angst eigentlich auslöst. Wenn der Klient Glück hat, entspricht das bewusst gewählte Thema der Priorität auf der unterbewussten Ebene, und das Meridianklopfen funktioniert. Wenn aber zwischen der bewussten Wahl und der unterbewussten Not eine Diskrepanz vorliegt, ist das Meridianklopfen nur sehr eingeschränkt tauglich.

Fragment eines großen Ganzen

So begrenzt die Wirkung der Meridian-Energie- Methoden ist, so beschränkt sind sie auch insgesamt: ein kleiner Ausschnitt aus einem großen und großartigen Gedanken- und Erkenntnisgebäude. Erst durch die Bücher über MET und EFT wird der Blick auch darauf gelenkt - auf die Jahrtausende alte Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), die Akupressur und die kinesiologischen Erkenntnisse der Mediziner Dr. George Goodheart und Dr. John Diamond, der Psychiater Dr. Roger Callahan und Dr. Fred Gallo und des Stanford-Ingenieurs Gary Craig. Craig erwähnt ebenfalls in seinem deutschen EFT-Skript (Emotional Freedom Techniques) die Wurzeln seiner Technik in der TCM, bei Dr. John Diamond und bei Roger Callahan.

Übrig bleibt davon im öffentlichen Bewusstsein nichts. Der komplexe Überbau von TCM und Kinesiologie scheint bei den Meridian-Energie-Methoden weggebrochen. Tatsache ist:

Das Meridianklopfen bleibt letztlich nur ein kleines Fragment der anspruchsvollen Interventionsmöglichkeiten der angewandten Kinesiologie. Sie bezieht alle Ebenen des Menschen – Körper, Seele und Geist – mit ein.

Geschichte des Überbaus

Das Wissen um die Heilpotenziale der Meridiane wird seit über 30 Jahren erfolgreich – und zahlreich dokumentiert - in der Kinesiologie angewendet. Schon der Entdecker und Entwickler der Applied Kinesiology, der amerikanische Chiropraktiker Dr. George Goodheart, arbeitete mit Meridianenergien. Er beobachtete, dass sich physische und psychische Vorgänge im Menschen auch im Funktionszustand seiner Muskeln spiegeln. Daraufhin entwickelte er 1964 ein einfaches Testverfahren, das diese Muskelfunktion ohne Zuhilfenahme von Apparaten erfasst: den Muskeltest. Dabei wird die getestete Person aufgefordert, den zum Test benutzten Körperteil (meist Arm oder Bein) gegen den Druck der testenden Person an seinem Platz zu halten; die Testergebnisse („anschalten“ oder „abschalten“) lassen präzise Rückschlüsse auf eventuelle Energieblockaden bzw. auf Einflüsse zu, denen die getestete Person gerade ausgesetzt ist (z. B. Elektrosmog, Allergien, emotionaler Stress, chronische Krankheiten). Die Applied Kinesiology (AK) entstand aus dem Wunsch, den Menschen besser helfen zu können. Die Komplexität und Vielschichtigkeit der psychosomatischen Wechselwirkungen schafften das Bedürfnis nach einer Möglichkeit, genaue Diagnosen und – darauf aufbauend – angemessene Techniken als Hilfestellung zu bekommen. Goodhearts Erkenntnisse basieren auf der genauen Beobachtung seiner Patienten. Indem er über seine medizinische und chiropraktische Ausbildung hinaus die Konzepte und Vorgehensweisen anderer kreativer Therapeuten und Heilsysteme in die AK integrierte, ging er neue Wege und überschritt die schulmedizinischen Grenzen. So bezog er chinesische Akupunktur, Lymphdrainage, Ernährungslehre und Neurologie in sei- ne Arbeit mit ein. Seine Experimente mit innovativen Behandlungsmethoden wie Chapman- Reflexpunkte, Bennet-Reflexpunkte und Synchronisation der Pulse von Reflexpunkten machten die Applied Kinesiology zu einer besonders effektiven Methode. Zunächst war die Applied Kinesiology nur Ärzten, vor allem Chiropraktikern, vorbehalten. Dr. John F. Thie wollte diese bahnbrechenden Erkenntnisse aber auch anderen Personenkreisen zugänglich machen. 1973 entwickelte er aus den Prinzipien der Applied Kinesiology das Touch For Health System (TFH): Gesund durch Berühren. TFH nutzt unter anderem ebenfalls das Energiemodell der chinesischen Akupunktur. Dieses beruht auf Beziehungen zwischen den Energiebahnen im Körper (Meridianen) und bestimmten Organen. Die Meridiane und Organe stehen darüber hinaus auch mit jeweils ganz bestimmten Muskeln in Verbindung.

Seit 1973 ist das Meridianklopfen Kursinhalt des Touch for Health III Kurses.

Einer der ersten, der das Klopfen der Akupunkturpunkte dazu benutzte, Traumata durch Krieg, Verbrechen oder Naturkatastrophen wie Orkane und Erdbeben zu behandeln, war 1986 der amerikanische Psychiater Roger Callahan. Callahan nutzt sein Verfahren auch, um Ängste wie Höhenangst, Flugangst, Klaustrophobie, Angst vor Spinnen usw. zu behandeln, wobei er sich auf das Wissen der Applied Kinesiologie nach Dr. George Goodheart bezog. Heute nennt er seine Methode Thought Field Therapy (TFT) und hat sein Behandlungsspektrum auf Schmerz und anderen Stress ausgeweitet. Dieses Wissen floss auch in die Psychokinesiologie des deutschen Schmerzspezialisten Dr. Dietrich Klinghardt ein. Klinghardt verwendet die Meridianklopfpunkte, um freimachende Glaubensätze wie „Ich bin wertvoll“ oder „Ich bin liebenswert“ zu verankern. Dr. Jimmy Scott, amerikanischer Psychologe, der 1985 die angewandte Kinesiologie mit einer Methode zur Bearbeitung von Allergien bereicherte und ein Kinesiologiesystem entwickelte, das sich Health Kinesiologie nannte, benutzte Meridianklopfpunkte zur Lösung von Allergien.

Ganzheitlicher Ansatz der Kinesiologie

Die Möglichkeit, zur Stresslösung spezielle Meridiane zu beklopfen, ist nur eine von sehr, sehr vielen Interventionsmöglichkeiten der angewandten Kinesiologie. Aber bleiben wir bei der ausschnitthaften Betrachtung der Meridianbearbeitungsmethoden. Der kinesiologische Muskeltest macht diese Methoden deshalb wirksamer, weil man sofort testen kann, für welches Thema welcher Meridianpunkt hilfreich ist und wann, wie oft und auf welche Weise er bearbeitet werden soll. Dazu deckt der kinesiologische Muskeltest die emotionalen Hintergründe, eingegrabene Verhaltensmuster und zu Grunde liegende einschränkende Glaubensätze auf. Auf dieser Grundlage können wirksame Interventionen zur Erkenntnis, Selbstwertsteigerung und Stresslösung eingeleitet werden. Diese Kombination von körperlicher Stresslösung (manchmal mit Meridianklopfpunkten), emotionaler und mentaler Klärung und Unterstützung durch vielfältige Essenzen macht die angewandte Kinesiologie so effektiv. Die Meridianklopfpunkte sind also nur ein kleiner Teil eines größeren Ganzen. Die weite Verbreitung dieser Techniken ist durch die Möglichkeit, sie schnell zu erlernen und sofort mit sichtbaren Erfolgen anzuwenden, zu erklären. Allerdings sind auch die Grundkurse der Kursreihen Touch for Health und Three in One Concepts schnell zu erlernen und sofort anzuwenden.

Denn: Von allen Urhebern ist die angewandte Kinesiologie ursprünglich als Hilfe zur Selbsthilfe für Laien gedacht!


Zum Autor Andreas Niklas

Kinesiologe, Diplom-Psychologe, Mitglied im erweiterten Vorstand des Europäischen Verbandes für Kinesiologie e.V. Als Begleitender Kinesiologe (DGAK) und Diplom-Psychologe (BDP) verbindet er alternatives und akademisches Wissen zu einer besonders effektiven Arbeitssynthese. Er vereint psychologische und körperorientierte Verfahren wie Verhaltenstherapie, Meditationen und Atemtechniken mit der Kinesiologie. Seit 1998 gibt er Einzelsitzungen und Seminare in München. Zusammen mit seiner Frau, Claudia Niklas, stellt er gerade ein Buch über die kultur- und naturwissenschaftliche Einordnung der Kinesiologie fertig, in dem u. a. die Begründer der weltweit bekanntesten Kinesiologie - Systeme interviewt und vorgestellt werden.

Kontakt: Schellingstr. 19 RGB, D-80799 München, Tel.: 089 / 34076931, andreas.niklas@web.de, www.andreasniklas.de,