
CAM in Europe – quo vadis? |
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![]() Autorin: Ingeborg L. Weber, MSc Ein Rückblick auf das 4. Europäische ANME-Symposium in Zusammenarbeit mit der UNESCO zur Ausübung und Weitergabe von traditionellem Heilwissen Das Netzwerk Association of Natural Medicine in Europe e.V. (ANME) setzt sich europaweit für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Traditionellen Medizin bzw. der komplementären und alternativen Medizin (TM/CAM) ein. ANME will als Nichtregierungsorganisation (NGO) eine starke Position für die Naturheilkunde in ganz Europa aufbauen und festigen. Die Organisation wendet sich damit an alle europäischen naturmedizinisch ausgerichtete Organisationen, biologisch-pharmazeutische Hersteller und naturheilkundlich arbeitende Therapeuten, um gemeinsam mit ihnen die Zukunft der Naturmedizin in Europa zu gestalten. Alle zwei Jahre veranstaltet ANME ein Europäisches Symposium. In diesem Jahr fand diese Veranstaltung erstmals außerhalb von Frankfurt statt. In Zusammenarbeit mit der Österreichischen UNESCO-Kommission trafen sich im Österreichischen Gesundheitsministerium in Wien zahlreiche Vertreter aus Wissenschaft, Forschung, Pharmazie, naturheilkundlicher Fachgesellschaften und Gesundheitsberufen der EUStaaten im großzügigen Ambiente des Ministeriums, um sich interdisziplinär auszutauschen und um in Workshops zum Thema qualitative Forschung zu diskutieren. Mag. Michaela Noseck, Mitglied des Arbeitskreises „Qualitätssicherung und Eingliederung komplementärmedizinischer Methoden in das Gesundheitswesen“ des Gesundheitsministeriums, legte in ihrem Vortrag dar, dass folgende Punkte umgesetzt werden müssen, um die WHP General Guidelines for Methodologies on Research and Evaluation of Traditional Medicine (2000) zu erfüllen: • Qualitätssicherung in den Ausbildungen von Anwendern der Methoden sowie in der Arbeit mit Patienten • Interdisziplinäre Forschung und dadurch • Adäquate Wirksamkeitsnachweise unter Berücksichtigung der qualitativen Forschung durch Einzelfall- und Beobachtungsstudien, um den prozesshaften Verlauf von Heilungswegen aufzuzeigen • Dokumentation der naturheilkundlichen Methoden und Patienteninformationen Dr. Hans-Peter Studer, maßgeblicher Initiator und Beteiligter bei der politischen Umsetzung des Schweizer Volksentscheids „Ja zur Komplementärmedizin“, machte in seinem Vortrag deutlich, welche Schwierigkeiten von der Idee im Jahre 2002 bis zur Ausführung im Jahr 2009 mit dem Abstimmungsergebnis von 67 % Ja-Stimmen in allen Kantonen zu bewältigen waren. Mit diesem Ergebnis ist der Staat nun beauftragt, den Willen des Volkes umzusetzen – d. h. die Berufsausbildung für nichtärztliche Therapeuten zu regeln, Lehrstühle für Komplementärmedizin einzurichten und die Komplementärmedizin in die Grundversicherung aufzunehmen. Dieses demokratische Vorgehen kann als Beispiel auch für andere Länder gesehen werden. Um naturheilkundliche Methoden zu erforschen und einzusetzen, sind gut ausgebildete Therapeuten nötig. Im Rahmen des Bildungsprogrammes „Leonardo da Vinci“ der Europäischen Kommission hat sich eine transnationale Initiative von 40 Universitätsinstituten gebildet, um europäische Standards in wissenschaftlicher und psychosozialer Qualifikation von Menschen in helfenden Berufen mit komplementären Schwerpunkt zu schaffen. Prof. Dr. P. C. Endler ist Teil dieses Netzwerkes. Das Interuniversitäre Kolleg für Gesundheit und Entwicklung in Graz bildet in vier bzw. sechs Semestern (je nach Vorbildung) Master für komplementäre Gesundheitswissenschaften und Master für Interdisziplinäre Entwicklungsförderung im Kindes- und Jugendalter aus. Das deutsche BIPP hat dieses EUKonzept als beispielhaftes Bildungsprojekt ausgezeichnet. Inzwischen hat sich aktuell ein neuer Studiengang in diesem Rahmen herauskristallisiert: Wissenschaftliches Publizieren und Dissertieren. HP Willy Hauser, der Präsident des Deutscher Naturheilbund e.V. (DNB), einem Zusammenschluss von Vereinen, örtlichen Gruppen und Einzelmitgliedern, stellte in seinem Vortrag „Bewahrung und Weitergabe des naturheilkundlichen Erfahrungsschatzes“ die Verbindung zum immateriellen Naturerbe her. Vinzenz Prießnitz (1799-1851) wurde anlässlich seines 200. Geburtstages im Jahr 1999 mit einem Eintrag in den Kulturkalender der UNESCO geehrt. Prießnitz begründete mit seiner Anwendung der Heilkraft des Wassers das Fundament der klassischen Naturheilkunde und inspirierte auch die Gründung des Deutschen Naturheilbundes, der heute ältesten und traditionsreichsten Naturheilbewegung. In Wien wurde Prießnitz ein Denkmal im Türkenschanzpark gesetzt. Hauser umriss die gegenwärtigen und künftigen Aufgaben des DNB, besonders in den heutigen Zeiten des demographischen Wandels und des Paradigmenwechsels. Zum Abschluss des interessanten Tages überreichte HP Willy Hauser Mag. Maria Walcher, Leiterin der österreichischen UNESCO-Kommission, und HP Monika Gerhardus, Gründungsmitglied und derzeit Schatzmeisterin der ANME, für ihre Verdienste um die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes sowie ihre entschiedene Unterstützung der naturheilkundlichen Methoden die Prießnitz-Medaille. Am zweiten Tag des Symposiums wurde die politische Arbeit der European Public Health Alliance (EPHA) vorgestellt, deren Mitglied ANME ist. Hier werden alle Kräfte gebündelt, um die öffentliche sowie die persönliche Gesundheit für alle Menschen bei den EU-Institutionen und Politikern zu vertreten und die EU-Prozesse in diesem Sinne zu beeinflussen. Anschließend wurde in zwei Workshops, geleitet von HP Nora Laubstein und Mag. Maria Walcher, die qualitative Forschung diskutiert. Das Symposium schloss mit den folgenden Ergebnissen: Einstimmig erging die Forderung aller Beteiligten an die EU-Gesetzgeber in Brüssel, die staatlichen und privaten Gesundheitsberufe unter ausdrücklicher Berücksichtigung von Berufsverbänden und Fachgesellschaften sowie nationaler Gegebenheiten zu regeln, d. h. keine radikale Vereinheitlichung zu betreiben! Der Wunsch nach einem interdisziplinärem Ansatz, gekoppelt an die Forderung, dem individuellen Charakter der CAM gerecht zu werden, wurde verdeutlicht durch den Appell, die Kulturanthropologie (hier in konkreter Form als „Immaterielles Kulturerbe”) in Forschung und Diskussion miteinzubeziehen, da diese innovative Ansätze und Lösungen bietet, der Wirksamkeit von CAM theoretisch und methodisch auf die Spur zu kommen. Um sich den Behandlungsprinzipien der CAM zu nähern, ist es nicht ausreichend, auf rein physikalischer und chemischer Ebene zu forschen.
Zur Autorin Ingeborg L. Weber MSc (Health Sciences), MSc (Child Development). Diakonie-Krankenschwester, Dozentin für Krankenpflege, leitende Lehr- MTA. Seit 1993 als Heilpraktikerin in eigener Praxis tätig. Gründung und Leitung der Internationalen Kinesiologie Akademie in Frankfurt. Gründung und 1. Vorsitzende Europäischer Verband für Kinesiologie e.V., Präsidiumsmitglied und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Naturheilbundes e.V. (DNB e.V.) für das Referat Gesundheitspolitik. Gründungsmitglied und Mitglied im Beirat der Association of Natural Medicine in Europe (ANME e.V.), Gründungsmitglied und Mitglied im Beirat der Freien Gesundheitsberufe, Dachverband für freie beratende und Gesundheit fördernde Berufe e.V. Koordinatorin für den Forschungsschwerpunkt Kinesiologie am Interuniversitären Kolleg für Gesundheit und Entwicklung Graz / Schloss Seggau. Seit 2007 Studium der Gerontologie an der Universität Heidelberg. Ausbildung in Kinesiologie (über 2000 Stunden) bei den verschiedenen Urhebern der klassischen Kinesiologie. Kontakt: Cunostr. 50-52, D-60388 Frankfurt-Bergen, Tel.: 06109 / 723941, Fax: 06109 / 723942, info@kinesiologie-akademie.de, www.kinesiologie-akademie.de |
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