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Nichts geht ohne Vortests
Autor: Andreas Niklas

Autor: Andreas Niklas

Vortests von 3 in1, Touch for Health, Brain Gym und Applied Kinesiology

Nicht alle kinesiologischen Anwender halten Vortests für wichtig, manche verzichten sogar ganz darauf und glauben, gleich verwertbare Ergebnisse erzielen zu können. Aus meiner Sicht ist diese Vorstellung falsch. Es gibt jede Menge Hindernisse auf dem Weg zu veritablen Ergebnissen, die ausgeräumt werden müssen und auch ausgeräumt werden können.

Dr. Wolfgang Gerz formuliert in der Oktober- Ausgabe 1998 des Medical Journal of Applied Kinesiology (MJAK) drei Bereiche, die er als mögliche Muskeltest-Hindernisse auflistet: Räumlichkeit, Therapeut und Patient. (1) Unter Räumlichkeit sind schlechte Lagerung, schlechte Luft, eine problematische Lichtquelle, geopathische oder elektromagnetische Störungen (Handys, schnurlose Telefone, Hochspannungsleitungen, WLAN-Router) aufgelistet, die sich in der Nähe von Therapeut und Patient befinden. Der Therapeut / Behandler sollte grundsätzlich auf sein energetisches Gleichgewicht achten und während des Muskeltestens ausreichend Wasser trinken. Ideal, aber nicht immer möglich, sind kurze Pausen zwischen den Sitzungen. Wie viele Stunden jemand klar testen und balancieren kann, unterscheidet sich von Behandler zu Behandler erheblich. Jeder muss selbst herausfinden, wie viele Sitzungen er gut und verantwortungsvoll bewältigen kann. In der Sitzung selber können sich beim Therapeuten ungenügende Kenntnisse, Erschöpfung, ein Infekt, emotionale Einschränkungen, jede Art von Stress sowie Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene so ungünstig auswirken, dass die Testergebnisse verfälscht werden. Manchmal kommt es vor, dass die Gesichtszüge des Patienten unangenehme Erinnerungen im Therapeuten wecken oder dass der Klient körperliche oder emotionale Themen anspricht, die im Behandler Stress auslösen und damit seine klare Testfähigkeit einschränken. Umgekehrt kann es natürlich auch passieren, dass die Gesichtszüge des Therapeuten den Patienten an jemanden erinnern, mit dem er Unangenehmes verbindet und deswegen gestresst ist. Das alles spielt sich nonverbal ab. In den Ausbildungsinhalten von „3-in-1 Konzept“ machen gerade die Strukturfunktionen des Gesichts (Kurse „Under the Code“ und „Louder than Words“) bewusst, welche Wesensmerkmale unseres Gegenübers uns möglicherweise stressen können, und die Kursteilnehmer beschäftigen sich genauso mit der bewussten und unbewussten Wirkung der eigenen Gesichtszüge auf andere. Darüber hinaus können sich beim Patienten Störung des Säure-Basen-Haushalts, emotionale Probleme, medizinisches Halbwissen oder eine Überempfindlichkeit gegen mitgebrachte Medikamente, Schmuck, Metalle am Körper oder andere Testsubstanzen negativ auswirken. All diese Muskeltest-Hindernisse können als Checkliste abgeklärt werden, wenn ein Klient nach den durchgeführten Vortests nicht klar testbar ist. Die Vortests selber sind allerdings schon sehr aufschlussreich. Wenn sie zeigen, dass der gewählte Indikatormuskel ordnungsgemäß funktioniert, gewährleisten sie die Zuverlässigkeit der anschließenden Muskeltest- Ergebnisse. Funktioniert der gewählte Indikatormuskel aber nicht so, wie er sollte, kann man bereits in diesem Testvorfeld eingreifen und balancieren. Grundsätzlich entsprechen die Vortests bestimmten verbalen oder nonverbalen Fragen und Handlungen des Testers, die vom Körper des Klienten auf die eine oder andere Weise beantwortet werden.

Die Reihenfolge der Vortests spielt keine Rolle.

Angewandte Kinesiologie Zusatzinfo:

In der kinesiologischen Literatur existieren verschiedene Bezeichnungen für die Zustände des Muskels. Dr. George Goodheart verwendete ursprünglich die Begriffe stark und schwach, Dr. John F. Thie benutzte die Begriffe entriegelt oder loslassen für schwach und verriegelt oder halten für stark. Ferner verwendete Dr. Thie auch die Begriffe angeschaltet für stark und abgeschaltet für schwach.

Als Indikatormuskel wird meistens der Deltoideus anterior verwendet und über einen oder beide Arme getestet. Für Anfänger und Fortgeschrittene gibt es verschiedene Testmöglichkeiten. Die Vorgehensweisen für Fortgeschrittene lassen sich kaum in einem Artikel beschreiben, sie müssen praktisch erlernt werden. An dieser Stelle soll daher nur von einigen, jedoch wesentlichen Basis-Methoden die Rede sein, die aus sehr unterschiedlichen Kinesiologie-Systemen stammen, einander aber auffällig ähneln: die Vortests von 3-in-1-Konzept, Touch for Health, Brain Gym und der medizinischen, also der Applied Kinesiologie.

3-in-1-Konzept

Das 3-in-1-Konzept von Gordon Stokes, Daniel Whiteside und Candance Calloway hält folgende Vortests für nötig (2, 3):

1) Lässt sich der Muskel abschalten?

Um dies zu klären, wird der Muskelbauch des getesteten Muskels zusammen geschoben. Dabei gibt der Testmuskel nach, schaltet ab und der Arm sinkt nach unten. Lässt sich der Muskel wieder anschalten? Test in Kontraktion und Extension mit beiden Armen. Bei dieser Frage wird der Muskelbauch des getesteten Muskels auseinander geschoben. Dabei wird der Muskel wieder angeschaltet und hält dem Testdruck stand.

Korrektur: Falls der Muskel nicht ordnungsgemäß an- und abschaltet, ist er blockiert, lässt sich aber über die jeweiligen, ihm zugeordneten neurolymphatischen Massagepunkte oder durch eine Ansatz-Ursprung-Massage nach Goodheart balancieren.

2) Ist der Muskel bei einem laut ausgesprochenen „Ja“ angeschaltet?

Es wird leicht, sanft und langsam getestet, während die Testperson laut „Ja“ sagt. Ist der Muskel bei einem laut ausgesprochenen „Nein“ abgeschaltet? Der Muskel hält dem Testdruck auf den Arm nicht stand, während die Testperson laut „Nein“ sagt.

Korrektur: Wenn es zu undeutlichen Muskelreaktionen kommt, muss ein anderer Indikatormuskel verwendet werden.

3) Hat die Testperson genug Wasser im Körper?

Zur Überprüfung zieht der Behandler leicht an den Haaren der Testperson und drückt währenddessen auf den Arm.

Korrektur: Schaltet der Muskel dabei ab, muss die Testperson Wasser trinken und der Vortest wiederholt werden.

4) Gibt es eine Überladung (Switching)?

Hier testet man eine elektrische Überladung, die durch unterbewusste Angst hervorgerufen werden könnte. Die rechte Hand und der rechte Arm haben eine positive Ladung (plus), die linke Hand und der linke Arm eine negative Ladung (minus). Überkreuzt der Behandler seine Arme beim Testen, entsteht eine plus-auf-plusund eine minus-auf-minus-Situation, die eine Herausforderung an die Muskelspannung darstellt. Ist der Muskel überladen, hält er dieser Herausforderung nicht stand und schaltet ab.

Korrektur: Als Überladungskorrektur sollte die Testperson sich mit der einen Hand den Bauchnabel halten, während sie mit der anderen Hand zuerst beide Nieren-27-Punkte, die rechts und links direkt unter dem Schlüsselbein sitzen, massieren, danach gleichzeitig über der Ober- und unter der Unterlippe massieren und schließlich das Ende der Wirbelsäule (kurz unter LWS 5) rubbeln. Bei allen drei Massagen, die jeweils 20 bis 30 Sekunden dauern sollen, bleibt die eine Hand des Klienten auf seinem Bauchnabel.

5) Ist der Fluss von Zentral- und Gouverneurmeridian in Ordnung?

Der Tester überprüft den korrekten Fluss von Zentral- und Gouverneurmeridian, indem er den jeweiligen Meridian mit der Hand abfährt, ohne dabei den Körper zu berühren.

Zentralmeridian: Wenn er den Zentralmeridian auf der Vorderseite des Körpers abfährt, und zwar vom Schambein, wo dieser Meridian beginnt, bis zu seinem Ende unter der Unterlippe, sollte der zugehörige Testmuskel, der Supraspinatus, angeschaltet sein und der Arm halten. Wenn der Tester anschließend denselben Meridian nach unten abfährt, sollte der Testmuskel abschalten.

Gouverneurmeridian: Um den Gouverneurmeridian zu testen, fährt der Tester von der Oberlippe über den Kopf den Rücken hinunter bis zum Steißbein, ohne den Körper zu berühren: Jetzt sollte der Indikatormuskel, der Deltoideus anterior, abgeschaltet sein. Bei der anschließenden Gegenbewegung des Testers, vom Steißbein den Rücken hinauf über den Kopf und zurück zur Oberlippe, sollte der Testmuskel wieder stark werden.

Korrektur: Bleibt der Muskel aber abgeschaltet, kann der Tester den Anfangs- und Endpunkt des Meridians halten, um ihn anzuschalten. Es ist auch möglich, den oder die betroffenen Meridiane zu stärken, indem sie „gebürstet“ werden. Dabei fährt man mehrmals vom Anfang des Meridians in Flussrichtung und gegen die Flussrichtung mit der Hand über den Körper, wieder ohne ihn zu berühren. Dem Anwender sollte auch klar sein, dass schon die Vortests Fragen an den Körper sind, die nach 3-in-1-Konzept eine zusätzliche emotionale Bedeutung haben. Diese emotionalen Aspekte werden im Kontext zum behandelten Thema gesehen und sollten in einer Sitzung besprochen werden.

Applied Kinesiology Zusatzinfo:

Die Bezeichnungen der AK für die verschiedenen Muskelreaktionen unterscheiden sich von denen der angewandten Kinesiologie. Dr. Wolfgang Gerz unterscheidet in seinem AK-Lehrbuch die Muskelreaktionen auf schwach, hyperton und normoton. Ein schwacher Muskel hält dem normalen Testdruck nicht stand und kann beispielsweise über die neurovaskulären oder die neurolymphatischen Punkte gestärkt werden. Hyperton ist ein Muskel, der stark testet, aber nicht geschwächt werden kann. Sheldon Deal und Richard Utt beschrieben diesen Zustand als „frozen muscle“. Oft ist die Ursache für Hypertonizität Stress. Das kann auf mentalen Stress, chemische Belastungen oder strukturelle Probleme hindeuten. Bei mentalem Stress ist der Patienten mental nicht anwesend und muss wieder in die Gegenwart zurückgeholt werden, indem man ihn auffordert, mit seinen Gedanken jetzt ganz in der gegenwärtigen Situation zu bleiben. Bei chemischem Stress fehlt oft ein wichtiger Nährstoff oder ein Heilmittel. Wenn der Patient das benötigte Mittel in den Mund nimmt, wird der hypertone Muskel plötzlich wieder testbar. Strukturelle Probleme können durch die Anwendung von Spindelzell- oder Golgi- Sehnenorgan-Korrekturen wieder normalisiert werden. Richard Utt entwickelte folgende Technik, um einen hypertonen Muskel wieder testbar zu machen: „Der Therapeut bringt den Testmuskel in äußerste Position und lässt ihn in dieser Position gegen seinen unterstützenden Gegendruck kontrahieren. Dann bringt der Therapeut den Muskel in äußerste Kontraktion. Er unterstützt ihn und lässt den Patienten versuchen, den Muskel in die Extension zu bringen. Dieser Vorgang aktiviert (durch beide Extreme der Muskelbeanspruchung) alle Nervenzellrezeptoren im Muskel, in seinen Antagonisten, in den Sehnen und Gelenken.“ (Robert Frost, Grundlagen der Applied Kinesiology, S.103) Applied Kinesiology darf nur von Ärzten, Heilpraktikern und Psychologen durchgeführt werden.

Touch for Health

In Touch for Health nach Dr. John F. Thie werden ähnliche Vortests durchgeführt. Der Behandler klärt, ob beim Klienten die strukturelle Ebene, d. h. Muskeln, Sehnen, Bänder, der chemische Bereich und die emotionale Ebene klare Reaktionen zeigen. Der Indikatormuskel wird nach der Zweier-Regel getestet: mit einem Druck von zwei Pfund für zwei Sekunden und einer Strecke von 2-5 cm. Für die Überprüfung der strukturellen Ebene klärt der Behandler, ob der Muskel sich durch Zusammenspindeln und Auseinanderziehen des Muskelbauchs zunächst abschalten und dann wieder anschalten lässt. Bekommt er dabei keine klaren Ergebnisse, hilft es, sowohl Ansatz als auch Ursprung des Muskels zu massieren. Danach wird der Vortest wiederholt. Dann wird getestet, ob der Klient ausreichend Wasser hat, indem man leicht an den Haaren zieht und gleichzeitig den Deltoideus anterior prüft. Wenn er abschaltet und der Arm deswegen sinkt, muss der Klient Wasser trinken. Außerdem müssen die so genannten Anschaltpunkte überprüft werden. Das sind die Anfangs- oder Endpunkte von Gouverneur-, Zentral- und Nierenmeridian, die die drei räumlichen Dimensionen abdecken: vorn – hinten,rechts – links, oben – unten. Dabei wird der Indikatormuskel getestet, während die Punkte nacheinander sanft berührt werden. Oberlippe, Unterlippe, Niere 27 rechts, Niere 27 links, Bauchnabel, Steißbein. Schaltet der Indikatormuskel bei einem der Punkte ab, müssen die getesteten Punkte gerubbelt werden. Meridianumkehrung (energetische Umkehrung) testet man, indem man dem Verlauf des Meridians (Zentralgefäß) mit der Hand folgt, ohne den Körper zu berühren: der Muskel muss anschalten. Danach bewegt sich die Hand des Testers entgegen der Meridian-Flussrichtung: Der Muskel muss abschalten. Gegebenenfalls wird korrigiert wie oben beschrieben. Die emotionale Ebene wird überprüft, indem ein Indikatormuskel getestet wird, während der Klient an etwas Unangenehmes, Peinliches oder Beängstigendes denkt. Der Muskel sollte dabei abschalten. Wenn der Klient dagegen an etwas Angenehmes, Heiteres, Beglückendes denkt, sollte der Muskel anschalten. Tut er das nicht, erfolgt eine Korrektur, um eine emotionale Stresslösung herbeizuführen, indem der Behandler mit leichtem Druck die beiden Stirnhöcker des Klienten hält. (4)

Brain Gym

In Brain Gym nach Dr. Paul Dennison und Gail Dennison werden vergleichbare Vortests angewendet, die sich PACE nennen. PACE steht für positiv, aktiv, klar (clear) und energetisch. Beim energetischen Vortest zieht der Behandler sanft an den Haaren des Klienten und testet dabei einen Indikatormuskel. Schaltet der Muskel ab, sollte der Klient Wasser trinken. „Klar“ wird getestet, indem beispielsweise der Arm des Indikatormuskels Deltoideus anterior in schneller Reihenfolge von der linken und rechten Hand berührt wird. Die Balance erfolgt hier wie bei der 3-in-1-Switching-Korrektur mit dem Halten des Bauchnabels und dem gleichzeitigen Massieren der beiden Ni27-Punkte. Um sicherzustellen, dass der Körper „aktiv“ ist, wird der Körper-Regulator-Punkt getestet, der sich bei herunterhängendem Arm etwa auf Ellenbogenhöhe an der Körperseite befindet (Ende des Milz-Pankreas-Meridians, MP 21). Schaltet der Muskel dabei ab, führt der Klient für die rechts-links-Gehirnintegration Überkreuzbewegungen durch (gleichzeitige Bewegung von rechtem Arm mit linkem Bein und linkem Arm mit rechtem Bein). Um zu klären, ob jemand „positiv“ ist, folgt der Behandler mit seiner Hand dem Zentralgefäß auf der Körpervorderseite vom Schambein bis zur Unterlippe. Dabei sollte der Indikatormuskel anschalten, während er wieder abschalten sollte, wenn die Hand des Testers dem Meridian in der entgegengesetzten Richtung folgt. Falls der Muskel hier nicht entsprechend reagiert, können so genannte Hook-ups durchgeführt werden (5), die folgendermaßen funktionieren: „Teil 1: Lege zuerst deinen linken Fußknöchel über den rechten. Strecke die Arme nach vorne und lege das linke Handgelenk über das rechte. Verschränke die Finger und klappe die Arme nach oben um, bis vor die Brust. Schließe dann deine Augen und drücke beim Einatmen deine Zunge an den Gaumen. Lass beim Ausatmen die Zunge sich wieder entspannen. Teil 2: Stelle deine Füße wieder nebeneinander, bringe die Fingerspitzen beider Hände zusammen und atme eine Minute lang tief durch.“ (6)

Applied Kinesiology

Die Applied Kinesiology (AK), die als medizinische Kinesiologie gilt, verwendet ebenfalls verschiedene Vortests, um die Testfähigkeit eines Indikatormuskels sicherzustellen. Aus Platz- gründen stelle ich die AK-Vortests vereinfacht dar, ausführliche Informationen finden sich in der Literatur. (7, 8) In der AK heißt ein starker, normal gespannter Muskel normoton. Ob der Muskel normoton ist, kontrolliert die AK über:

1) die Manipulation der neuromuskulären Spindelzellen (Zusammenzwicken des Muskelbauchs),

2) das sechs- bis achtmalige Klopfen der Sedierungspunkte des beteiligten Meridians,

3) durch das Ausstreichen des mit dem Muskel korrespondierenden Meridians gegen seine natürliche Richtung oder

4) das Halten eines zweipoligen Magneten auf den Muskelbauch.

Wenn der Muskel normoton ist, sollte er bei allen vier Vortests nachgeben. In der Applied Kinesiology gibt es keinen direkten Test für Dehydration, aber man vermutet sie, wenn beispielsweise folgende Symptome vorliegen: eine trockene, schuppige Haut, Ödeme, ein trockener Mund oder auch viele schwach testende Muskeln, die nach Wassertrinken normoton werden. Obwohl die AK keine verbalen Fragen stellt, gibt es trotzdem die Möglichkeit, eine emotionale Herausforderung zu testen. Der Patient kann jedes mögliche Thema visualisieren oder an belastende Erlebnisse denken, während der Therapeut einen Indikatormuskel testet, denn das Denken an eine stressbeladene Erfahrung schwächt einen Indikatormuskel immer. Vergleichbares wird beispielsweise im Kurs „Tools oft he Trade“ von 3-in-1-Konzept gelehrt, wo ausgewählte Bilder benutzt werden, um eine emotionsbezogene Muskelreaktion herauszufordern.

Fazit

3-in-1-Konzept, Touch for Health, Brain Gym und Applied Kinesiology verwenden sehr ähnliche Vortests, obwohl sie ansonsten unterschiedlich vorgehen. Bei aller Divergenz werden in all diesen Systemen grundlegende Vortests als Voraussetzung einer soliden Arbeit erhoben. Gerade für Klienten, die noch nie kinesiologisch getestet worden sind, sind Vortests besonders wichtig, weil sie die Antworten ihres Körpers auf den Muskeltest direkt und unmittelbar erfahren. Vortests sind der Beginn einer Interaktion zwischen Klient und Behandler. Für das Vertrauen des Klienten ist es wichtig, dass der Behandler ihm erklärt, was mit ihm passiert, und sich dafür auch die Zeit nimmt. So wird auf der Klientenseite Verständnis für die Antworten seines Körpers aufgebaut, während sich der Tester zur gleichen Zeit darauf einstimmen kann, wie sich der Muskeltonus eines Klienten anfühlt.

Der Muskeltest ist das wichtigste kinesiologische Werkzeug überhaupt.

Allerdings kann man mit ihm nur unter der Voraussetzung effektiv arbeiten, dass der Indikatormuskel richtig funktioniert. Auch deshalb sind die Vortests in einer soliden kinesiologischen Arbeit unverzichtbar. Mit ihrer Hilfe kann der Tester genau feststellen, ob ein Indikatormuskel überhaupt testbar ist. Wenn das aus einem oder mehreren der oben beschriebenen Gründe nicht der Fall ist, muss er balanciert werden.

Erst wenn der Muskeltest ordnungsgemäß funktioniert, wird er aussagekräftig, und zwar in einer Exaktheit, die mit einer geeichten Waage vergleichbar ist.

So selbstverständlich wie Eichungen an Waagen, Taxometern oder Zapfsäulen im Interesse des Verbrauchers vorgenommen werden, so selbstverständlich müssen Vortests im Interesse des Klienten oder Patienten durchgeführt werden. Allerdings muss diese „Eichung“ am Anfang jeder neuen Sitzung vorgenommen werden, wenn man korrekte und eindeutige Resultate in den eigentlichen, themenbezogenen Muskeltests erzielen will. Um solche Resultate zu erzielen, spielt noch etwas anderes eine wesentliche Rolle, das zwar nicht wirklich zu den Vortests gehört, aber der eigentlichen Sitzung ebenfalls vorangehen muss. Das sind die beiden Fragen „Dürfen wir miteinander arbeiten?“ und „Dürfen wir an diesem Thema miteinander arbeiten?“. Mit der Antwort des Indikatormuskels auf diese Fragen zeigt der Körper des Klienten, ob dieser bereit ist, sich auf den kinesiologischen Prozess mit seinem Behandler einzulassen – wenn der Muskel auf diese Fragen anschaltet, ist die Erlaubnis erteilt. Wichtig ist auch eine Gegenfrage, die mit Nein beantwortet werden muss, damit der Indikatiormuskel wechselt, um ein klare Ja/Nein-Antwort zu haben. Wer behauptet, Vortests seien nicht unbedingt nötig und könnten je nach Vorliebe des Behandlers gemacht werden oder eben auch nicht, bewegt sich auf genauso dünnem Eis wie ein Musiker, der den Notenschlüssel eines Musikstücks nicht überprüft hat und deswegen nach eigenem Gutdünken das Stück in F-Dur spielt anstatt – wie vom Komponisten vorgegeben – in C-Moll. Das Ergebnis ist in jedem Fall verzerrt, wenn nicht gar falsch.  


Zum Autor Andreas Niklas

Kinesiologe, Diplom-Psychologe, Mitglied im erweiterten Vorstand des Europäischen Verbandes für Kinesiologie e.V. Als Begleitender Kinesiologe (DGAK) und Diplom-Psychologe (BDP) verbindet er alternatives und akademisches Wissen zu einer besonders effektiven Arbeitssynthese. Er vereint psychologische und körperorientierte Verfahren wie Verhaltenstherapie, Meditationen und Atemtechniken mit der Kinesiologie. Seit 1998 gibt er Einzelsitzungen und Seminare in München. Zusammen mit seiner Frau, Claudia Niklas, stellt er gerade ein Buch über die kultur- und naturwissenschaftliche Einordnung der Kinesiologie fertig, in dem u. a. die Begründer der weltweit bekanntesten Kinesiologie - Systeme interviewt und vorgestellt werden.

Kontakt: Schellingstr. 19 RGB, D-80799 München, Tel.: 089 / 34076931, andreas.niklas@web.de, www.andreasniklas.de,