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Die Auswirkungen der Klangschalenmassage auf das Konzentrationsverhalten von Kindern im Grundschulalter
Autor: Alexandra Pronegg

„Der Ton der Klangschale berührt unser Innerstes, er bringt die Seele zum Schwingen. Der Klang löst Spannungen, mobilisiert die Selbstheilungskräfte und setzt schöpferische Energie frei“, meint der Entwickler der Klangmassage Peter Hess (2010)

Einleitung

Bei der Klangmassage handelt es sich, wie der Name schon vermuten lässt, um eine Massage mit Klang. Bei dieser Art von Massage hat der Klangmassagepraktiker keinen direkten körperlichen Kontakt mit dem Klienten; die Massage erfolgt über die auf den bekleideten Körper aufgesetzte Klangschale. Durch das Anschlagen der Schale mit einem Schlegel wird selbige in Schwingung versetzt, uns diese kann sich dann über die umgebenden Medien, wie Luft und Bekleidung des Klienten sowie über das Körperwasser, im Organismus des Probanden ausbreiten. (Hess, Peter; 2010)

Beide Begriffe, aus denen die Bezeichnung „Klangmassage“ zusammengesetzt ist – „Klang“ und „Massage“ – werden grundsätzlich positiv assoziiert.

Der Begriff „Klang“ ist im pädagogischen Wirkungsbereich bekannt, vor allem in musischen Fächern und zur Unterstützung der auditiven Wahrnehmung von Schulkindern. „Massage“ im Zusammenhang mit der Grundschulpädagogik ist möglicherweise ein innovativer Aspekt. Aber auch wenn man die „Klangmassage“ im pädagogischen Arbeitsbereich als Innovation betrachtet werden muss, sollte doch die enge Verbundenheit der gesellschaftlichen Entwicklungsgeschichte mit Klängen und Musik berücksichtigt werden.

Im vorliegenden Artikel werden Ergebnisse einer Studie vorgestellt, bei denen die Auswirkungen einer Klangschalenmassage auf die Konzentrationsfähigkeit von Grundschulkindern untersucht wurden.

Grundlagen

Wirkung von Klang

Der „vibrationale“ Reiz des Klangs stimuliert Körper und Gehirn. (Joachim-Ernst Berendt: Das Dritte Ohr. Vom Hören der Welt/rororo) Auf der körperlichen Ebene werden Klänge über den Hör- und Tastsinn erfahren. Sie unterstützen die natürliche Bestrebung des Organismus nach Harmonie und können entspannende, stressreduzierende oder angstminimierende Effekte haben. Die Musikmedizin nutzt diese Wirkung in der Anästhesie und in der Schmerztherapie1. Auf der neuronalen Ebene beeinflussen Klänge die Gehirnwellen und rufen neuropsychologische Reaktionen hervor. Neurotransmitter werden ausgeschüttet, und eine Reorganisation oder Neuvernetzung neuronaler Verbindungen kann angeregt werden.

Auf der psychologisch-emotionalen Ebene rufen Klänge über das limbische System direkt Emotionen hervor, ohne dass diese von der Ratio „zensiert“ werden. (Ross, Uwe H.; 2010)

Das vegetative Nervensystem

Die Aktivität des vegetativen Nervensystems teilt sich grob in zwei Bereiche, den Sympathikus und den Parasympathikus. Der Sympathikus, vorwiegend am Tag aktiv, mobilisiert unseren Organismus und lässt ihn auch unter Stress Höchstleistungen erbringen. (Ross, 2010) Der Parasympathikus, vorwiegend nachts aktiv, ist für Entspannung und Regeneration zuständig. Beide Bereiche sind im Idealfall fein ausbalanciert. Kommt es zu einem Ungleichgewicht, leiden auch die Aufmerksamkeit und die Konzentration.

Stress und Konzentrationsfähigkeit

Unser Gehirn empfängt ständig unzählige Informationen, die vorwiegend unbewusst bleiben. Nur ein geringer Teil wird als wichtig genug eingestuft, um ins Bewusstsein vorzudringen. Diese Informationsselektion verbraucht Energie.

In Stresssituationen, die allgemein viel Energie fordern, kann man sich oft schlecht oder gar nicht mehr konzentrieren. Die Aufmerksamkeit richtet sich dann mehr auf Allgemeines und nicht mehr auf das Wesentliche. Sich zu konzentrieren, wird zu einer geistig anstrengenden Aufgabe, und es kommt in der Folge häufig zu einer Überlastung im Gehirn bis hin zum völligen, so genannten „Blackout“.

Entspannung

Lange Zeit wurde angenommen, dass das vegetative Nervensystem nicht bewusst zu beeinflussen sei. Durch zahlreiche Untersuchungen haben Wissenschaftler aber festgestellt, dass wir selbst unseren vegetativen Zustand beeinflussen können. Positive Beeinflussung findet unter anderem durch Entspannung statt. (Henning, Marita; 2006)

Eine gute Möglichkeit, sich zu entspannen, bietet die Klangmassage. Sie gibt dem gestressten Gehirn die Möglichkeit, wieder in den Ausgleich zu kommen. Dies funktioniert über die Ansprache des limbischen Systems, das mit Bildern und Klängen arbeitet. (Hess, Peter; 2006) Auch in Stresssituationen ist es noch in der Lage, zu filtern, was hilfreich ist und was gebraucht wird, um die Lage zu verbessern. So können auch ein Zusammenbruch des Energiehaushaltes und „Blackout“ vermieden werden, sodass die Klangmassage auch präventiv wirksam ist.

Hypothese

Der amerikanische Arzt und Wissenschaftler Edmund Jacobson interessierte sich in seinen Studien für den Zusammenhang von Angst und muskulärer Spannung. Er machte um 1910 die bahnbrechende Entdeckung, dass muskuläre und geistige Anspannung immer gemeinsam auftreten. Ist der Geist entspannt, sind es auch die Muskeln. (Hennig; 2006)

In unserer schnelllebigen Leistungsgesellschaft leiden immer mehr Kinder und Jugendliche unter Konzentrationsstörungen. Stress und Leistungsdruck sind die Hauptursache. (Hess, Peter; 2010) Ein Ausgleich der neuronalen Überlastung im Gehirn ist hier notwendig, um die Konzentration wieder zu steigern.

In der Studie sollte daher folgende Annahme überprüft werden:

Ängstliche Kinder sind völlig angespannt und unfähig, sich zu konzentrieren. Durch die Klangmassage können sich Körper und Geist entspannen, und die Konzentrationsfähigkeit kann optimiert werden. (Hess; 2010)

Durchführung der Studie

Bei der vorliegenden Untersuchung handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, bei der so genannte Peter Hess Therapieklangschalen mit einem speziellen Klangspektrum zum Einsatz kamen. Diese Schalen wurden über einen Zeitraum von mehreren Jahren genau auf die Bedürfnisse der Praxis hin abgestimmt. Die hohen Qualitätsanforderungen an die Schalen garantieren ein optimales, körperbezogenes Arbeiten. Für die Auswahl der Probanden wurden die Eltern zweier zweiter Klassen der Volksschule angeschrieben und über das Studienprojekt informiert. Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte nach Anmeldung der Kinder zur Studie. Insgesamt nahmen 30 Kinder (Alter 7-8 Jahre) daran teil. Der Anteil an weiblichen und männlichen Probanden war ausgeglichen. Die anonymisierten Testungen fanden in der Praxis der Autorin über einen Zeitraum von sechs aufeinander folgenden Wochen statt. Die Testgruppe (A1 bis A15) erhielt während dieses Zeitraums insgesamt sechs Klangmassagen im wöchentlichen Abstand, während die zweite Hälfte der Kinder (B1 bis B15) als Kontrollgruppe fungierte, d. h. sie wurden zwar getestet, erhielten aber keine Klangmassage.

Die erste Erfassung des Konzentrationsstatus der Testgruppen-Kinder erfolgte vor der ersten Klangmassage, die zweite Testung nach der dritten Klangmassage und die dritte Testung nach der sechsten Massage. In der Kontrollgruppe wurde der Konzentrationsstatus des einzelnen Kindes im gleichen Intervall wie in der Testgruppe erfasst, ohne dass in dem sechswöchigen Testzeitraum eine Klangmassage stattfand. Angewandte Tests Die Testung bestand für die Probanden aus drei Teilen und war an Zeitvorgaben gekoppelt:

Konzentrationstest

HAWIK3 Untertest: Symbolsuche Bewertung: max. zwei Minuten Bearbeitungszeit, x = benötigte Zeit Punkte = (200-x)/2 = max. 65 Punkte (Basis schnellster Proband)

HAWIK3 Fördermaßnahmen: Puzzle

„Unterwegs mit der Feuerwehr“, Ravensburger 3x49 Teile, No 9272 7 (Pädagogische Puzzles, White, Barbara, 2005) Bewertung: max. fünf Minuten Bearbeitungszeit, Punkte: pro richtigem Puzzleteil 1 Punkt = max. 49 Punkte

HAWIK3 Fördermaßnahmen: Memory (Duehmke Ringo 2010)

„Ravensburger 26141 – memory® Natur“ Bewertung: max. zwei Minuten Bearbeitungszeit Punkte: pro richtigem Paar 3 Punkte = max. 48 Punkte

Statistik

Zur Überprüfung der Hypothese wurden für alle drei Aufmerksamkeitstests jeweils eine zweifaktorielle Varianzanalyse mit zwei Gruppen und einem Messwiederholungsfaktor anhand des Softwarepakets SPSS Version 18 gerechnet. Das Signifikanzniveau wurde auf p=0,05 festgelegt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Tests mit und ohne Klangmassage sind in den Abbildungen 1 bis 3 dargestellt. Die vor Beginn der Studie durchgeführten Tests zur Auswertung des mittleren Konzentrationsniveaus der Probanden zeigten einen ähnlichen Mittelwert. Bereits nach der Hälfte der Untersuchungszeit kristallisierte sich ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Gruppen heraus. Die Kinder, die mit Klangmassage begleitet wurden, zeigten einen höheren Konzentrationsmittelwert als die der Kontrollgruppe. Bei der letzten Testung wurde dieser Unterschied zu Gunsten der Testgruppe signifikant. Interpretation der Ergebnisse Die statistische Auswertung der erhaltenen Daten zeigt eine signifikante Konzentrationssteigerung bei der Testgruppe, die während der Beobachtungszeit mit Klangmassagen begleitet wurde. Dieses Ergebnis macht deutlich sichtbar, dass Kinder, die kontinuierlich ganzheitlich angespannt bleiben, sich auch schlechter konzentrieren können. Durch die Klangmassage können sich sowohl Körper als auch Geist entspannen, und das Konzentrationsverhalten wird dadurch optimiert. Die hier vorgestellte Studie untermauert die Notwendigkeit bewusster Entspannungsphasen für Kinder als Ausgleich zum Leistungsdruck in der Schule und dem individuellen Entwicklungsstress.

„Der erste Schrei und auch das letzte Wort, das man in seinem Leben sagt, gestalten in unserem Innersten eine wunderbare Klangsymphonie und binden uns ein in den großen Klang des Lebens.“ (Berendt, Joachim-Ernst 2007)

 Literaturhinweis

Hess, Peter: Klangmassage 1. PHI Verlag, 2010 Berendt Joachim-Ernst: Das Dritte Ohr. Vom Hören der Welt, rororo

Koller Christina: Klänge in der Pädagogik? www.klangpaedagogik.de/aktuelles-klangpaedagogik/ 100-klaenge-in-der-paedergogik 29.4.2011

Ross, Uwe: Dr. Peter Hess Klangmethoden im Kontext von Forschung und Wissenschaft. PHI Verlag, 2010

Koller, Christina; Grotz, Tanja: Mit Peter Hess-Klangmassage Stress abbauen und die Gesundheit stärken. In: Fachzeitschrift Klang-Massage-Therapie, 2010, Heft 7, S. 15ff

Hess, Peter: Die heilende Kraft der Klangmassage. Südwest Verlag, München 2006

Kauke, Marion: Spielintelligenz. Spektrum-Akademischer Verlag, 1992

Glonnegger, Erwin: Das Spiele-Buch. Ravensburger Buchverlag, 2009

 

1. www.klangpaedagogik.de/aktuelles-klangpaedagogik/

100-klaenge-in-der-paedagogik, 29.4.2011



Zur Autorin Alexandra Pronegg

Dipl. Kleinkindpädagogin, über 17 Jahren in leitender Funktion im Kindergarten, Wechsel in die Selbständigkeit. Diplomprüfung zur Entspannungstrainerin, Weiterbildung zum Entspannungspädagogen. Zertifizierte Klangpädagogin, Absolventin des Masterstudiengangs „Child Development“ an der Interuni Graz, Ausbildung zur Elementaren Musikpädagogin an der Kunst-Uni.

Kontakt: Institut für Klangschalenmassage und Bachblütenberatung, pronegg.sandra@aon.at