Birgitta Birath
Hilfe durch Brain Gym
Jahresbericht einer schwedischen Schule für lese- und schreibschwache Kinder
Lese- und schreibschwache auffällige Schüler wurden im Frühjahr von einer Sonderlehrerin getestet. Die meisten der getesteten Schüler hätten ohne eine Förderung das Leistungsziel der Klasse nicht erreicht. So wurde von der Schulleitung beschlossen, daß diesen Kindern ein spezieller Förderunterricht angeboten werden soll.
Ab dem Herbstsemester 1997 wurden den Schulern, die aufgrund ihrer Lese- und Schreibschwäche diesen speziellen Förderunterricht nötig hatten, von unserem Schulstudio folgendes Angebot gemacht: sie erhalten fünf Wochen lang jeden Werktag jeweils von 8.00 bis 12.00 Uhr in unserer Schule konzentrierten Förderunterricht. Leider müssen sie während dieser Zeit auf den Unterricht in Musik, Sport, Handarbeit und Werken verzichten.
Unserer Auffassung nach ist die Freiwilligkeit der Schüler sehr wichtig.
Die Eltern müssen ihre Kinder positiv unterstützen, sie verpflichten sich in einem Vertrag, die Schulaufgaben mit ihren Kindern zusammen zu machen. Nach den fünf Wochen kehren die Schüler wieder zu ihren Klassen zurück. Die Lehrer werden ausführlich über die Fortschritte informiert. Um den Schülern auch weiterhin Hilfe und Unterstützung bei ihren Hausaufgaben, beim Lesen und Schreiben zu gewähren oder ihnen Gelegenheit zu geben, mit jemandem zu reden, können sie nachmittags bis 15.30 Uhr in unser Studio kommen.
Auswertung des Schuljahres am Ende des Spezialunterrichtes
Meinung der Schüler:
Sie haben schneller lesen gelernt, sie sind mehr motiviert zu lesen und zu schreiben, verstehen den Inhalt des Textes viel besser und ihr Selbstvertrauen ist gewachsen.
Meinung der Eltern:
Die Kinder haben gute Fortschritte gemacht, übernehmen selbst die Verantwortung für die Schularbeiten und haben ein größeres Selbstvertrauen entwickelt.
Meinung der Lehrer:
Die Schüler haben allgemein gute bis sehr gute Fortschritte im Lesen und Schreiben erzielt, ihre Lernmotivation hat sich verbessert. Die Methode eignet sich hervorragend für den speziellen Förderunterricht.
Die Organisation der Arbeit im einzelnen
Auswahl der Schüler:
Von 70 Kindern aus verschiedenen Klassen haben gleich zwei zu Beginn abgesagt und zwei weitere haben nach 14 Tagen das Studio wieder verlassen.
Die Schüler wurden in Gruppen von jeweils acht bis zehn Kindern eingeteilt.
Zusammenarbeit mit den Eltern:
Nach Einteilung der Gruppen wurden die Eltern zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen. Sie erhielten vor allem inhaltliche Information über: Planung/Konzeption der Arbeit, Brain Gym, Anforderungen an die Kinder und wie die Eltern zu Hause unterstützend mitarbeiten können. In der ersten Woche der Förderung haben wir ein etwa einstündiges Eltern-Kind-Gespräch geführt. Wir versuchten den Eltern aufzuzeigen, worin die Schwierigkeiten ihres Kindes bestehen und sie von der Notwendigkeit ihrer Unterstützung zu überzeugen. Die Zusammenarbeit mit den Eltern wurde das ganze Jahr über beibehalten. Nach Beendigung der Fünf-Wochen-Periode haben wir uns wieder mit den einzelnen Eltern zusammengesetzt, wenn möglich auch mit dem/der Klassenlehrer/in, eine Auswertung gemacht und darauf aufbauend einen weiteren Förderungsplan für die nächsten sechs Wochen ausgearbeitet. In dem Plan wurde festgehalten, was zu Hause, in der Klasse und evtl. im Studio an unterstützenden Maßnahmen getan werden sollte. Danach haben wir uns immer im Sechs-Wochen-Rhythmus getroffen.
Praktische Anwendung der "Brain-Gym"-Übungen
Alle Schüler haben jeden Tag fünf bis zehn Minuten Brain-Gym-Übungen (z. B. Hook ups, Brain Buttons und Überkreuzübungen) nach Dr. Paul Dennison gemacht. Diese Übungen wurden von den Mitarbeiterinnen Birgitta Birath und Margareta Granberg angeleitet und durchgeführt. Da beide kinesiologisch orientiert arbeiten, benutzten sie noch andere Methoden, die sie unterstützend bei bei der Lösung von physischen, mentalen und emotionalen Blockaden einsetzten. Überkreuzbewegungen und Augenbewegungen wurden kontrolliert und korrigiert. Seit einigen Monaten erstellen wir auch Gehirn-Dominanz-Profile nach der Methode von Carla Hannaford.
Wir haben herausgefunden, daß fast alle Kinder, die aufgrund einer Gehirnhälftendominanz Probleme haben, als Kleinkinder nicht gekrabbelt sind.
Der Unterrichtsmorgen beginnt um 8.00 Uhr und fängt mit klassischer Musik und zwei Minuten Hook ups an, in denen jede Person an etwas denkt, was sie sehr gut kann. Danach folgen verschiedene Gedächtnisübungen. Als nächstes werden zehn Minuten leise gelesen, wenn nötig mit Unterstützung eines Kassettenrekorders. Um 8.40 Uhr wird die Gruppe geteilt. Eine Gruppe übt rechtschreiben: die Lehrerin liest laut vor und die Schüler schreiben das Gehörte in den Computer. Die andere Gruppe macht Brain Gym Übungen: je fünf bis zehn Minuten lesen und schreiben. Nach der Pause wechseln die Gruppen. Jeden Tag liest die Lehrerin den Schulern 15 bis 20 Minuten etwas vor, z. B. Nils Holgersson von Selma Lagerlöf.
Resultat
Nach den fünf Wochen konzentrierten Förderunterrichts haben wir wieder einen Test gemacht (da in Schweden alle Wörter mit kleinen Buchstaben geschrieben werden, ist dieser Test so in Deutschland nicht anwendbar). Alle Wörter werden ohne Abstand hintereinander geschrieben, z. B.:
Imtestwerdenallewörterohneabstandgeschrieben.
Der Schüler muß nun zwischen den Wörtern einen Strich machen, z. B.: im/test/werden/alle/wörter/ohne/abstand/geschrieben. Nach der Auswertung ist bei allen Schülern eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Eingangstest festzustellen: die Menge der erkannten Wörter hat sich verdoppelt, Schüler, die am Anfang des Förderunterrichts nicht lesen konnten, haben angefangen zu lesen, die Handschrift hat sich wesentlich verbessert, die Buchstaben stehen jetzt auf den Zeilen, das Schriftbild ist ebenmäßiger. Schüler, die kein Problem mit dem Lesen, aber mit dem Buchstabieren hatten, haben bereits nach drei Wochen die Menge ihrer Fehler von 50 Prozent auf bis zu fünf bis zehn Prozent reduziert.
Resümee der Schüler:
Den Schülern hat der Unterricht im Studio sehr gefallen, hätten aber auch gerne noch Sport und Musik gehabt. 60 bis 70 Prozent finden, daß sie im Vergleich zu vorher jetzt schneller lesen und den Inhalt besser verstehen, sowie besser schreiben und buchstabieren.
Resümee der Eltern:
Die Eltern sind sehr zufrieden mit den guten Fortschritten ihrer Kinder. Ihre Kinder gehen jetzt mit Freude zur Schule. Einige Eltern hätten für ihre Kinder gerne eine längere Zeit des Förderunterrichts im Studio gehabt.
Resümee der Lehrer:
Die Lehrer haben festgestellt, daß die Schüler gute Fortschritte im Lesen und Schreiben gemacht haben, den Inhalt der Texte verstehen und die Motivation zugenommen hat. 60 Prozent brauchen im Herbst nicht zurückzukommen.
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