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CoMed - Artikel-Archiv:

Dr. med. Christa Keding

Muster, Trigger und Symbole in der emotionalen Stresslösung

Die Lösung von Mustern (Teil 2)

In der Kinesiologie spielen Stress lösende Interventionen eine große Rolle und werden mit unterschiedlichen Verfahren angewandt. In diesem Artikel geht es speziell um die typischen Aspekte der analytisch-psychotherapeutischen Kinesiologie, die mit einfachen Mitteln zu tief greifenden und dauerhaften Ablösungen von alten Prägungen führt, wenn untaugliche Lebensmuster entlarvt werden.

Die analytisch-psychotherapeutische Kinesiologie (APK) bearbeitet sowohl primär emotionale Probleme wie Ängste, Konflikte, Krisen u. a. wie auch somatische Erkrankungen mit psychischem Hintergrund. Sie verbindet zwei Grundelemente der Kinesiologie mit psychotherapeutischer Gesprächsführung:

  • Der Muskeltest dient ausschließlich als Indikator für Stressoren, indem er durch verschiedene Suchraster führt (Organ- und Farbemotionen, Reifungsstufen, Verhaltensbarometer u.a.).
  • Das Stress-Release löst reflektorisch die erkannten untauglichen Prägungsmuster, um den Weg für eine Neuorientierung frei zu geben (siehe CO'MED 3/04. "Psychologische Kinesiologie").

Dabei sind beide Elemente der Kinesiologie - Muskeltest und Stress-Release - auf ein essenzielles Grundgerüst reduziert.

Mit einem Gespräch zu Beginn einer APKSitzung über subjektive Beschwerden und die aktuelle Lebenssituation wird zunächst die Grundthematik herausgearbeitet, ohne sie zu interpretieren. Das anstehende Thema spiegelt sich dabei meist gleichzeitig in mehreren Lebensbereichen wider und kristallisiert sich durch deren Vergleich deutlicher heraus (z.B. Selbstvertrauen sowohl im Beruf wie im privaten Umgang). Wenn die Problemsituation weitgehend verstanden ist und das Grundmuster sich abzeichnet, werden per Muskeltest Stressoren nachgewiesen, ohne sie zunächst im Test kausal mit der geschilderten Situation zu verknüpfen. Es ist vergleichbar mit der Kriminalistik: Zunächst wird der Tatort gesichtet (aktuelle Lebenssituation), aus der Spurensuche (Gespräch) ergibt sich ein "Verdacht" (Grundmuster), der dann durch Beweismittel (Stressoren) erhärtet oder entkräftet wird.

Das heißt, sobald ein Muster sich abzeichnet, aber bevor Hypothesen
den Blick verstellen, sollte der Muskeltest als Korrektiv einsetzen.

Dabei - siehe Detektivarbeit - muss jedes "Indiz" (= Stressor) durch "Verhör" auf Tauglichkeit geprüft werden. D. h. Durch Rückfragen und Assoziationen im fortlaufenden Gespräch mit dem Patienten wird abgeglichen, inwieweit sich ein Stressor mit der Problemsituation oder dem Grundmuster vereinbart. Oft bestätigen die getesteten Stressoren die nahe liegenden Rückschlüsse, häufig aber korrigieren sie auch den Blickwinkel, bringen neue Aspekte ins Spiel, die zum wirklichen Erlebensmuster führen.
Wie klar sich der "Tathergang", d. h. das Prägungsmuster, herauskristallisiert, liegt dabei unter anderem in der - bewussten oder unbewussten - mentalen Einstellung des Testers bzw. Therapeuten. Bei bewusster Vorgabe, nur die wesentlichen "Beweisstücke" zu suchen, wird der Muskeltest nur wenige, dafür aber für das Verständnis relevante Stressoren an die Oberfläche bringen. Unsichere Tester sammeln dagegen oft eine Vielzahl von Stressbegriffen, die zugleich das Befinden und die Auswirkung beschreiben; dabei gehen die relevanten Schlüsselworte in der Fülle unter, die Breite verdrängt die Tiefe und versperrt eher den Zugang zum eigentlichen Grundmuster.

Das heißt: Vorgespräch mit Umreißen des Fehlmusters plus wenige
Schlüsselworte führen schnell zum Ziel, das Wesen einer Prägung zu verstehen.

Sobald das Muster als prinzipieller Lebensbegleiter entlarvt und verstanden worden ist, wird es durch Testen der Zeitschiene mit seinem Ursprung verknüpft. Typischerweise finden wir die Prägung eines Musters fast immer in der frühen Kindheit, was aber andere Lebenszeiten nicht ausschließt.

An dieser Stelle schleichen sich in der kinesiologischen Bearbeitung, gerade bei nicht psychotherapeutisch Vorgebildeten, die häufigsten Fehler ein:

Üblicherweise suchen die Klienten, die mit Muster und Lebenszeit konfrontiert werden, nach eindrücklichen Ereignissen dieser Zeit. Sowohl Patienten wie Therapeuten scheinen ereignisbezogene Arbeit zu lieben, wohl vor allem wegen ihrer Anschaulichkeit, sie ist jedoch eher die Ausnahme als die Regel (der "stete Tropfen höhlt den Stein" und nicht ein Regenguss!). Wenn man sich stark auf Ereignisse fixiert und die Entstehung von Mustern nicht auf die typischen Prägungsphasen des Kindes bezieht, führt das häufig zu krampfhafter Suche bis hin zu abstrusen Konstruktionen, die an einem ominösen Einzelereignis festgemacht werden. Zwar werden dadurch nicht zwangsläufig alle Ergebnisse falsch, nur münden die kinesiologischen Begleitungen dann oft in einer unendlichen Geschichte ohne wirklich anhaltende Veränderungen im Alltag, weil immer wieder nur oberflächliche oder isolierte Aspekte gelöst werden.
Wenn man die Entwicklungspsychologie des Kindes kennt, dann werden allein aus der Verbindung der Stressoren zum ursprünglichen Lebensalter die nahe liegenden Erlebensweisen und Prägungen deutlich. Diese wesentlich subtileren, aber kontinuierlichen und vor allem altersspezifischen Einwirkungen machen unseren Lebensalltag aus. Prägend ist das wiederholte emotionale Erleben im Umgang, im Atmosphärischen, in Akzeptanz oder Ablehnung, in Bestärkung oder Verunsicherung.
Viel zu häufig wird ängstlich nach einem gravierenden Trauma Ausschau gehalten, werden Dramen unter dem Familienteppich vermutet, oder man muss gar auf frühere Inkarnationen zurückgreifen (was natürlich auch seine Daseinsberechtigung haben kann), wo doch "nur" mäßige chronische Versagungen und Entbehrungen, Konflikte und Vorbilder die Lebenssicht des Menschen geformt hatten.
Das heißt nicht, den Einfluss von Einzelereignissen gering zu schätzen. Ein spezifisches Trauma abzulösen, hat oft frappierende Auswirkungen, ganz besonders in der Behandlung von Phobien (sofern diese nicht Symbolcharakter haben - dazu mehr in der nächsten Folge). Aber wie uns schon die Medizinprofessoren an der Uni lehrten: Was oft ist, ist oft. Gewisse Strömungen typischer psychischer Probleme ziehen sich durch ganze Gesellschaften und Generationen, da die Lebensumstände und Ansichten der Elterngeneration einen speziellen Erziehungsstil formten. Und so verwundert es nicht, dass bestimmte Erfahrungen und Prägungen in einer Generation immer wieder als Ursache von Ängsten und Konflikten zutage treten, dass sich viele Bilder gleichen, wenngleich doch letztlich immer die individuelle Erfahrung zählt.
In dieser Verwebung von Gespräch und Muskeltest tauchen wir aus der mitgebrachten aktuellen Symptomatik in eine frühkindliche Prägung hinein. Der Test von Schlüsselbegriffen spezifiziert das Muster und erweitert, z. B. durch einen eher unerwarteten Stressor, den Blick für neue Aspekte. Hierdurch werden Fehlschlüsse leichter erkannt bzw. vermieden. Die Einbettung in ein fortlaufendes Gespräch bahnt im Laufe einer Sitzung ein tiefes Verstehen für die Problematik.
Das Stress-Release ist optimal vorbereitet, wenn das Fehlmuster erkannt, möglichst sogar nachempfunden wird. Das heißt, nicht die Fülle von Sachinformationen leitet den Klienten, sondern die emotionale Resonanz, die Stimmigkeit, das Sich-erkannt- Fühlen.
Das anschließende Stress-Release wird klassisch durchgeführt durch Berühren der Stirnbeinhöcker, wobei der Therapeut die Dauer durch Eigentest (oder durch vorheriges Austesten der erforderlichen Zeit) festlegen sollte, um dem Klienten Freiraum für sein Thema zu geben und nicht durch Selbstkontrolle abzulenken. Wir bitten die Patienten, sich so gedanklich auf das Thema einzulassen, wie es sich zwanglos ergibt; unsererseits gibt es dazu weder Vorgaben noch irgendwelche Interventionen während der Release-Phase. Ohnehin steht bei guter Vorarbeit das Thema "im Raum" und hat längst seinen Weg in das Unterbewusstsein angetreten, so dass die neuronale Neuverschaltung auch ohne Anweisungen oder gar Suggestionen schnellstmöglich den optimalen Weg findet - und zwar genau den Weg, der dem Patienten und der Lenkung durch sein Unterbewusstsein bestmöglich entspricht.
Zum Abschluss werden die ehemaligen Stressoren per Muskeltest kontrolliert, ein kurzes Nachgespräch beendet die Sitzung.
Die Patienten werden aufgefordert, in der Folgezeit darauf zu achten, inwieweit sich Fühlen, Erleben und Verhalten - oder auch körperliche Symptome - wandeln. Üblicherweise berichten sie nach einem Intervall von wenigen Wochen über etliche Veränderungen, die deutlich erkennen lassen, dass das bisher blockierende Muster aufgegeben wurde.
Es ist erstaunlich, wie sich Menschen entwickeln, mit denen an den Grundmustern gearbeitet wurde. Zahlreiche Patienten haben schon nach wenigen Sitzungen einen Weg in Eigenständigkeit, Lebensbejahung und Selbstentfaltung angetreten, der keine weitere Therapiebegleitung mehr benötigt.

Diese hier vorgestellte Arbeitsstruktur hat sich in mehrerlei Hinsicht als äußerst effektiv erwiesen:

  • Durch das Erfragen und Besprechen der Lebenssituation und durch Assoziationen im Gespräch fühlen sich die Patienten ernst genommen und bekommen schon einen ersten Einblick in das Grundmuster.
  • Die Suche nach Stressoren ohne direkte verbale (fragende) Verknüpfungen ermöglicht mehr Objektivität und Offenheit für Kurskorrekturen.
  • Die Kombination von Gespräch und Test bereitet den Prozess des Stress-Releases im Unterbewusstsein optimal vor, so dass es beim Release keiner weiteren Interventionen bedarf.
  • Die offene Form des Stress-Release ermöglicht dem Patienten nochmals, weitere übersehene Aspekte zu integrieren, die während der Release-Phase auftauchen.
  • Da die Arbeit am Ort der Entstehung, an der Wurzel stattfindet, braucht es keine weiteren Sitzungen zu diesem Muster; die Wandlung ist vollständig und endgültig.

Weiter zum dritten Teil des Beitrages.