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CoMed - Artikel-Archiv:

Dr. med. Christa Keding

Muster, Trigger und Symbole in der emotionalen Stresslösung

Psychotherapie und Kinesiologie (Teil 1)

Kinesiologische Praktiken dienen weitgehend der Selbsthilfe und der präventiven Gesundheitsförderung, dazu gehört auch die einfache Form von Stressablösungen durch das "Stress-Release". Diese Methode hat aber auch seit langem in unterschiedliche Behandlungsformen bewährt, u. a. bei Ärzten und Heilpraktikern, die oft hervorragende Ergebnisse emotionaler Stressbewältigung vorweisen können.

Seit über 15 Jahren beobachte ich in meiner Arbeit als Ärztin, Psychotherapeutin und Kinesiologin sowie als Ausbilderin der "Analytischen Kinesiologie" die Langzeitauswirkungen unterschiedlicher Vorgehensweisen in der Stressablösung. Dabei habe ich immer wieder eindrücklich bewiesen gefunden, dass nach geeigneter Vorarbeit ein Stress-Release den Lebensweg eines Menschen auf nachhaltige Weise ebnen und verändern hilft. Und dies in einer Effektivität, die in der konventionellen Psychotherapie vergeblich ihresgleichen sucht.

Mich beschäftigt deshalb schon seit Jahren die Frage, was eigentlich die optimalen oder unabdingbaren Voraussetzungen dafür sind, derartig durchgreifende und anhaltende Ergebnisse zu ermöglichen. Welche Regeln gelten für Patient, Therapeut und Methode, unter welchen Bedingungen kommen derartige oft sensationell anmutende Erfolge zu Stande?

Das Fazit, das ich heute ziehe, ist auf wenige Punkte zu beschränken:
Für die Patienten gilt nur eine Bedingung: Die Bereitschaft, sich wach und bewusst auf diesen Weg und die Arbeit mit dem Therapeuten einzulassen.

Die Kinesiologie - d.h. der Muskeltest zum Nachweis von Stressoren und das Stress-Release - bietet ein geniales Werkzeug für eine gezielte und spezifische "Psychoanalyse" und eine bleibende Stressablösung. Allerdings führen die guten Erfolge in akuten Krisen oder in der täglichen Selbsthilfe, die oft die Ergebnisse klassischer Psychotherapie weit übertreffen, nicht selten zu einer Fehleinschätzung der Anwender.

Sie werden zu dem Glauben verführt, die Kinesiologie allein reiche aus, da man ja "alles austesten kann". Auffallend häufig trifft man auf dieses Missverständnis, wo die Behandler zwar eine kinesiologische, jedoch keine psychotherapeutische Ausbildung absolviert haben.

Ein Hinweis auf eine solche Fehleinschätzung wäre z.B., wenn die emotionale Stabilisierung immer wieder neue Sitzungen erforderlich macht, insbesondere wenn Themen sich wiederholen. Meist bessert sich dann nach einer Behandlung das Befinden kurzfristig, aber weder im Selbstgefühl noch in der Lebenssicht, noch in der Umsetzung im Alltag finden echte Durchbrüche statt, so dass "unendliche Geschichten" zwischen Patient und Kinesiologe

keine Seltenheit sind. Das heißt, der Prozess der Persönlichkeitsentwicklung stagniert oder wird gar nicht erst erreicht, im schlimmsten Fall fühlt sich der Patient sogar zunehmend abhängig von "seinem Kinesiologen" und dem Stress-Release.

Wenn die Basis psychologischer Grundkenntnisse fehlt, wird in den Sitzungen üblicherweise nach sachlichen Informationen und Ereignissen aus der Vergangenheit geforscht. Dabei wird viel zu viel Gewicht gelegt auf die Vorstellung, das "Was" würde entscheidend unser Leben prägen.

Die Erfahrungen belegen aber, dass es vielmehr das "Wie" ist, das den
Menschen psychisch und geistig formt.

Typisch wird von vielen Erwachsenen berichtet, dass sie schon mal vom Vater "berechtigterweise verdroschen worden sind", wo ansonsten ein herzlicher Umgang geherrscht hat. In solchen Fällen testete eine Tracht Prügel noch nie als Stressor. Jedoch reichten wesentlich "harmlosere" zynische Bemerkungen oder wiederholte ungerechte (kleine) Sanktionen viel tiefer in das Erleben und hinterließen erhebliche Stressreaktionen. Derartige Erlebensweisen bleiben kinesiologisch unerschlossen, wenn die Arbeit zu sehr an Ereignissen und Fakten orientiert bleibt.

Wiederholte Stressablösungen von Einzelereignissen bleiben daher oft genug unvollständig, müssen aus leicht modifizierten Blickwinkeln ständig neu bearbeitet werden.

Entscheidend für eine anhaltende Persönlichkeitsreifung - und die sollte ja das Ziel einer psychotherapeutischen Begleitung sein - scheint somit das Lösen von emotionalen Grundmustern und nicht in erster Linie ereignisbezogene Verarbeitung. Diese Grundmuster können aber mit den Kenntnissen der Kinesiologie allein nicht erkannt und verstanden werden, dazu ist es erforderlich, einen Einblick in die prägenden Phasen der Kindheitsentwicklung zu haben. Das erfordert zwar nicht zwangsläufig ein ganzes Psychologiestudium,

zumindest aber eine hinreichende Auseinandersetzung mit entwicklungspsychologischen Zusammenhängen.

Nicht zuletzt gehören zu einer Behandlungskompetenz nicht nur Wissen und Technik, sondern vor allem auch ständige Selbstreflexion und Persönlichkeitsarbeit des Therapeuten an sich selbst. Die Kombination von Psychotherapie und Kinesiologie ist ein sehr scharfes Instrument, das uns Zugang verschafft zu eigentlich verborgenen Zonen des Unterbewusstseins, und ein kompetenter und achtsamer Umgang sollte für alle Anwender oberstes Gebot sein.

Die Kunst einer dauerhaften und tiefgreifenden Stressablösung, die
einen Klienten durch Lebenskrisen zu einer unabhängigen und
selbstbestimmten Persönlichkeit begleitet, ist somit ein Balanceakt
zwischen geschickter und einfühlsamer Gesprächsführung, gezieltem Einsatz
des Muskeltestes und Berücksichtigung des Hintergrundwissens.

In den folgenden Ausgaben möchte ich Ihnen einige typische Wege derart tiefer lebensverändernder Begleitung vorstellen.

Weiter zum zweiten Teil des Beitrages.